Börsengang mit zu hoher Bewertungsvorgabe

15.06.2017 | Artikel über Vapiano (DE000A0WMNK9) von Marco (Aktie-X)

Zusammenfassung

  • Vapiano strebt Erstnotierung der Restaurantkette am 27. Juni im Prime Standard der Frankfurter Börse an
  • IPO Zeichnungsspanne mit bis zum 20-fachen des Ebitda bei jährlichen Wachstumsraten von nur 10% sehr hoch bewertet
  • Nur rund 48,53% der Emissionserlöse fließen für das Wachstum, Altaktionäre machen Kasse

Einschätzung

Aktie verkaufen als kurzfristige Idee

Details zum Börsengang:
Die Frainchise-Kette Vapiano SE strebt gemäß Pflichtmitteilungen am 27. Juni den Gang auf das Frankfurter Börsenparkett an. Wie das Unternehmen bekanntgegeben hat, sollen mittels einer Kapitalerhöhung bis zu 4.047.620 neuen Aktien und eine Umplatzierung von bis zu 3.533.123 bestehender Aktien sowie weitere bis zu 758.074 bestehende Aktien (Greenshoe) für die Bedienung eventueller Mehrzuteilungen angeboten werden.

 

  • Die Preisspanne für die Zeichnung dieser Aktien wurde auf 21 bis 27 Euro je Aktie festgelegt
  • Zeichnungsfrist soll voraussichtlich zwischen den 16. Juni 2017, bis voraussichtlich 26. Juni 2017 laufen
  • ISIN bzw. WKN ab Tag der Handelsaufnahme lauten: ISIN DE000A0WMNK9 bzw. WKN A0WMNK
  • Das vollständige Wertpapierprospekt ist unter folgendem Link abrufbar: http://ir.vapiano.com/websites/vapiano/German/2000/prospekt.html
  • Als Joint Global Coordinators agieren die Barclays Bank PLC, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG sowie Jefferies International Limited gemeinsam mit Unicredit Bank AG als Joint Bookrunners. Lazard & Co. GmbH wurde als Vapianos Finanzberater mandatiert. Daher wird vermutlich der Großteil der angebotenen Aktien bei institutionellen Investoren platziert werden und nur wenige Privatanleger überhaupt zum Zuge kommen
  • Das Unternehmen selbst und der Vorstand dürfen ein Jahr lang keine weiteren Aktien verkaufen
  • Aus Verkaufserlöse werden 10 Millionen Euro an Gesellschafterdarlehen zurück gezahlt
  • Das bereinigte EBITDA abzüglich Voreröffnungskosten wuchs mit einer CAGR von über 10% von EUR 23,4 Millionen im Jahr 2014 auf EUR 28,6 Millionen im Jahr 2016 
  • Im selben Zeitraum stiegen die Umsatzerlös mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 28% von EUR 151,8 Millionen auf EUR 248,6 Millionen an
  • Bewertungsniveau inkl. Schulden liegt damit auf Basis der 2016er Zahlen beim rund 20fachen des EBITDA
  • Der Hamburger Milliardär und Tchibo-Erbe Günter Herz hat im Juni 2012 für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag 44 Prozent der Firmenanteile übernommen. Er verkauft im Gegensatz zu den anderen Großaktionären hiervon keine Anteile. Nach Börsengang wird der Tchibo Gründer daher mit 9,379,547 Stückaktien, das entspricht rund 38.47% des Grundkapitals größer Einzelaktionär bleiben und sein in 2012 eingesetztes Kapital vervielfacht haben 

 

Unternehmensvorstellung:
Vapiano hat in Deutschland am 22. Oktober 2002 das erste Vapiano Restaurant in Hamburg  in den „Hohen Bleichen“ eröffnet. Zwei Jahre später entschieden sich die Gründer, Vapiano als Franchise-Konzept umzusetzen und weltweit Restauants aufzubauen. Bis heute wurden  185 Vapianos in 31 Ländern auf 5 Kontinenten eröffnet. Vielbeachtet war unter anderem die Eröffnung des ersten Vapiano Restaurants in Dubai im Jahre 2008, welches auch heute zum Ramadan geöffnet hat.

Die zunächst ersten neuen Filialen eröffneten überwiegend in zentraler Stadtlage. Durch das Systemgastronomiekonzept erhalten die Kunden am jeden Ort dieselben frisch zubereiteten, zumeist mediteranen, Speisen. Die Erlöse aus dem Börsengang (in Höhe von voraussichtlich rund 109 Millionen Euro vor Kosten) sollen in der Zukunft ein expansives Wachstum der Restaurants sowie den Aufbau der Sparte Delivery Home Service soowie Verbesserung der neuen Vapiano-App sichern. Mit rund 85 Millionen Euro soll die derzeitige Restaurantgröße in den kommenden 3 Jahren von 185 auf 330 drastisch erhöht werden.

Das Unternehmen gibt an, fast ausschließlich frische Zutaten anzubieten. In jedem einzelnen Vapiano werden Pasta, Pizzateig, Soßen, Dressings sowie Dolci selbst hergestellt, zum Teil sogar mitten im Gastraum in der gläsernen Manifattura. Die Speisen werden direkt vor den Augen des Gastes in Form einer Showküche "à la minute" zubereitet. 

Tatsächlich sah sich das Unternehmen aber insbesondere im Jahr 2015 einer Vielzahl an Skandalen u.a. in Form von von falscher Deklarierung (Garnelen statt Scampis) bis hin zur Gammelpasta ausgesetzt: 

Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/news/jahresrueckblick-2015--vapiano-skandale---von-gammelware-bis-lohnbetrug-6595004.html
Vapiano-Chef nimmt Stellung: https://www.tz.de/muenchen/stadt/vapiano-chef-bittet-oeffentlich-entschuldigung-5777952.html

Viele ähnliche Fast Casual“-Essens-Konzepte wie Mosch-Mosch , Hans im Glück, Peter Pane und Dean & David aber vor allem der ehemalige Hamburger Steakkönig Eugen Block (ehmals Block-House)  drängen mit seiner L’Osteria Kette auf dem Markt und kratzen an den Umsätzen der bereits längerer Zeit bestehenden Vapiano Häuser. 

Quellnachweise Eckdaten des IPO-Angebotes: http://www.dgap.de/dgap/Companies/vapiano-se/?companyId=389626

Fazit: Nicht zeichnen und zunächst die Kursentwicklung nach Ende der Stabilisierungsmaßnahmen abwarten.

Die Restaurantkette benötigt diesen Börsengang dringend, um in einem starkem Verdrängungswettbewerb vieler schnellwachsender ähnlicher Konzepte im Konkurrenzkampf mithalten zu können. Das angesetzte IPO Preis bietet wenig Phantasie für schnelle Kursgewinne, vor allem bei den Wachstumsraten der letzten Jahre. Eine agressive Wachstumsstrategie bis 2020 aus den IPO-Erlösen kann das kompensieren. Aber dennoch fehlt es dem Unternehmen derzeit an Neuerungen. Home Delivery muss sich erst durchsetzen und auch die neue App-Version läuft noch nicht wirklich rund. Durch den geringen Free Float von nur rund 32% haben die Aktionäre auf den Hauptversammlungen wenig Handlungsspielräume.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

    Kommentare (1)

  • Boersenhaendler vor 12 Tagen

    Gut zusammen gefasst Marco !