Lahme Ente?

11.06.2017 | Artikel über Paion (DE000A0B65S3) von Blaues Hufeisen

Zusammenfassung

  • Zulassung des Narkosemittels Remimazolam voraussichtlich nicht mehr vor dem Jahr 2020
  • Barmittel reichen bis etwa 2018
  • Nach Zulassung sind Umsätze im dreistelligen Millionenbereich und bis zu 1,5 Mrd. US$ möglich
  • Investoren brauchen noch viel Geduld
  • Hoffnung auf frühe Zulassung in den USA bereits ab dem nächstem Jahr sind unbegründet

Einschätzung

Aktie verkaufen als kurzfristige Idee

Der Kurs von Paion schnellte in den letzten Tagen um fast 10% nach oben. Einen wirklich nachvollziebaren Grund für diesen Anstieg gab es anscheinend nicht. Es tauchten wohl Gerüchte auf, dass die Patientenstudie für des intravenös verabreichte Sedativums und Anästhetikums Remimazolam besser als erwartet laufen soll.

Ob dies stimmt lässt sich zurzeit nicht verifizieren. Erkenntnisse hinsichtlich des Zulassungstermins, der frühestens 2019 und eher 2020 erfolgen dürfte, gibt es nicht. 

Darum gehe ich davon aus, dass das jüngste Kursplus eher eine Entagsfliege war.

Trotz der zuletzt als planmäßig einzustufenden Entwicklung beim Studienverlauf bei Remimazolam lief die Paion-Aktie in den letzten Jahren nur seitwärts zwischen 2 bis 3 Euro. Hierfür gab die stattliche Bewertung den Ausschlag. So besitzt Paion aktuell >50 Mio, Tendenz steigend. Beim Kurs von >2.50 € liegt die Marktkapitalisierung bei stolzen 150 Mio. Euro. 


Die Zukunft baut auf einem einzigen Produkt auf

Es ist unbestritten, dass der von Paion entwickelte Wirkstoff Remimazolam ein großes Potenzial besitzt. 

Das Aachener Unternehmen entwickelt das Benzodiazepin-Mittel als ultrakurz wirksames Anästhetikum. Es soll weit weniger Risiken und einen zusätzlichen Zeitgewinn für Ärzte und Patienten ermöglichen. So können Patienten nach einer OP oft mehrere Stunden früher vollkommen wach sein und umgehend nach Hause gehen als mit den bislang angewendeten Wirkstoffen. Der Erfolg zeigte sich hier zuletzt im Vergleich zum bekannten Mittel Midazolam, das bei der prozedualen Sedierung eingesetzt wird wie bei Darmspiegelungen.

Das Marktpotenzial ist bedeutsam und dürfte realistisch im mittleren dreistelligen Millionenbereich angesiedelt sein. Theoretisch.

Praktisch müssen zunächst die laufenden Phase-III Studien für USA, Europa und Japan abgeschlossen werden, bevor an Umsätze überhaupt zu denken ist. 

Bisher beruhen auch alle Einnahmen des Unternehmens auf Lizenz-Deals und Meilensteinzahlungen, die jedoch nicht ausreichen um die laufenden Verluste auszugleichen. Positiv ist der Umstand, dass man mit 28 Mio. Euro Liquidität ausgestattet ist.

Wegen Kapitalmangels war Paion im Frühjahr 2016 gezwungen, das mit Abstand größte Martktpotenzial, den US-Markt, an Cosmo Pharma abgzugeben, die sich die Rechte für den US-Marktes sicherte, für 52 Mio. US$ Meileinsteinzahlungen und eine 10 Mio. Beteiligung an Paion.  

Im 1. Quartal verbuchte man aus diesem Deal Einnahmen von 2 Mio. Euro.

Gefahr von Enttäuschungen

Mit einer Marktkapitalisierung von circa 150 Millionen Euro sind die Potenziale schon hinreichend eingepreist. Unerwartet negative Studienergebnisse würden der Firma den Boden unter den Füßen wegziehen. Eine Kursexplosion ist dagegen nicht zu erwarten.

In Vergangenheit warteten Paion-Aktionäre oft vergeblich auf die Zulassung von Medikamenten. Die Durchführung von Studien verzögerten sich, so dass am Ende immer wieder frisches Kapital, durch die Ausgabe neue Aktien nötig war. 

2016 erhielt Paion frische Finanzmittel. Dafür musste man aber auch einen teuren Preis bezahlen und die US-Umsätze seines Hauptprodukts an den Pharmakonzern Cosmo abgeben.

Fazit

Die Aktien eignen sich höchstens für Anleger mit sehr langem Atem, die bis 2020 geduldig auf die Zulassung warten wollen. Selbst dann scheint das Kurspotenzial begrenzt, wogegen die Risiken bei einem Scheitern immens sind. Der Kauf dieser Aktie drängt sich zurzeit nicht auf.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

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