Mehr als nur ein konservatives Value-Investment?

04.08.2017 | Artikel über Fuchs Petrolub ST. (DE0005790430) von Ray123

Zusammenfassung

  • Qualitätsaktie "Made in Germany" - eine Investition mit Zeit und Weitsicht
  • Seit 2008 auf Wachstumskurs mit immer neuen Rekorden - positiver Ausblick auch für das 2. Halbjahr 2017
  • Stellen Elektroautos eine potentielle Gefahr für den Konzern dar?

Einschätzung

Aktie kaufen als langfristige Idee

Das im M-DAX gelistete Unternehmen Fuchs Petrolub SE (DE0005790430) ist hauptsächlich im Mineralöl- und Chemiesektor tätig und ist bei der Herstellung und den Vertrieb von Schmierstoffen der weltweit größte unabhängige Anbieter. Aber auch Spezialprodukte wie Motoröle gehören zum Portfolio dazu und bereichern das bestehende Geschäftsfeld. Bevor wir zu den harten Fakten des Unternehmens kommen ein Blick auf die Aktienstruktur:

Die Familie Fuchs hält noch immer die Mehrheit der stimmberechtigten Stammaktien und kann so im Konzern viel mit entscheiden. Das dürfte sich langfristig positiv auswirken, denn dadurch dürfte die Firma viel gezielter wirtschaftlichen Erfolg herbeiführen und somit ein größeres Interesse an guten Quartalszahlen haben. Zumindest zeigt die bisherige Entwicklung der Umsätze, Cashflows und Gewinne eine solide Führung des Unternehmes.Für zahlreiche Anleger wurden über Jahre nachhaltig Werte geschaffen, welches sich im Aktienkurs auch deutlich widerspiegelt. 
 

 

Weltweit operierender Konzern mit dem Qualitäts-Siegel "Made in Germany"

Zu den weltweit mehr als 100.000 Kunden zählen Automobilzulieferer und OEMs, Unternehmen aus den Bereichen Metallverarbeitung, Maschinenbau, Bergbau und Exploration, Luft- und Raumfahrt, Unternehmen des Energie-, Konstruktions- und Transportsektors, der Land- und Forstwirtschaft sowie der Stahl-, Metall-, Zement-, Guss- und Schmiedeindustrie, aber auch Lebensmittel- und Glashersteller. Darunter auch viele namenhafte Firmen.

Lange Jahre waren jedoch die Wachstumsmöglichkeiten gedämpft; die Unternehmenspolitik war zu konservativ ausgerichtet. So tat man sich mit größeren Übernahmen schwer und vertraute zunächst allein auf die eigene Stärke. Letztlich erkannte man aber - nicht zuletzt auch durch die Finanzkrise - das die Akquisitionstätigkeit auch ein adäquates Mittel zur Stärkung eigener Produkte darstellt. So kaufte man zum Beispiel 2015 das skandinavische Unternehmen Statoil Fuel & Retail Lubricants AB. 

Positives Halbjahr - optimistischer Ausblick

Der Umsatz stieg im Halbjahr um 10 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Das organische Wachstum betrug 7 Prozent. Stark war das Wachstum nach Unternehmensangaben vor allem in den Regionen Asien-Pazifik, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Das EBIT legte wegen der verzögerten Weitergabe der Preise nur um 4 Prozent auf 190 Millionen Euro zu. Nach Steuern verdiente das Unternehmen 134 Millionen Euro, 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der freie Cashflow vor Akquisitionen lag mit 53 Millionen nach 72 Millionen geschäftsbedingt aufgrund höherer Mittelbindung im Working Capital und höherer Investitionen unter Vorjahr.

Fuchs Petrolub geht nun davon aus, den Umsatz im laufenden Jahr um 7 bis 10 Prozent zu steigern. Bislang hatte die Prognose auf 4 bis 6 Prozent gelautet. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wird weiterhin ein Plus von 1 bis 5 Prozent erwartet.

Auch bei der Mitarbeiterzahl geht es kontinuierlich aufwärts. Weltweit habe man die 5000er-Marke überschritten und am Standort Mannheim ist man innerhalb eines Jahres von 807 Beschäftigten auf 851 gewachsen. Auch der nächstgelegene Standort Kaiserslautern ist in Bezug auf die Mitarbeiter leicht gewachsen. In Kaiserslautern, Mannheim, Chicago, Australien und China wird kräftig investiert. Dabei ist der Standort Kaiserslautern im laufenden Jahr mit einer Investition in Höhe von 20 Millionen Euro die größte Einzelinvestition.

Werden Elektroautos bald das Ende von Fuchs Petrolub einläuten?

Das Elektroauto, das vielfach als Bedrohung für das Geschäftsmodell der Firma angesehen wird, soll zunächst als Hybrid auf die Straße kommen. Und darin ist der Verbrennungsmotor und dessen Antriebsstrang noch vorhanden - und dieser muss geschmiert werden wie bisher auch. Daher kann also von dieser Seite her Entwarnung gegeben werden.

Auch die rund 30 Schmierfette mit durchschnittlich 1,3 Kilo Gewicht je Auto außerhalb des Antriebs bleiben im E-Auto erhalten. Deshalb ist der Schmierstoffspezialist selbst bei reinen E-Autos mit im Boot. Und stellenweise werden weit höherwertigere Schmierstoffe benötigt. Die Menge der benötigten Schmierstoffe werde sinken, ihre Qualität zunehmen.

Dennoch: Soll weiterhin der Konzern die Wachstumsstrategie fortsetzen, sind weitere Zukäufe unentbehrlich. Die nötigen Mittel dazu sind durchaus vorhanden; diese können ggfs. auch durch die Kürzung der gezahlten Dividende erreicht werden.

FAZIT: Gemessen am derzeitigen KGV gibt es sicherlich günstigere Werte auf dem Markt: Aber die Nettobarmittel, eine niedrige Nettoschuldenquote sowie beständige Marktanteilsgewinne im globalen Schmierstoffmarkt sprechen für den Qualitäts-Konzern. Eine sich eintrübende Wirtschaft sowie stark stiegende Rohstoffpreise könnten hingegen die Pläne des Konzerns schnell zunichte machen. Der Aktienkurs erlebt zur Zeit eine „korrektive Erholungsphase“, Anleger die vorallem auf eine sich wiedererstarkende Chemie-Industrie setzen sollten Fuchs Petrolub aber als Langfrist-Investment nicht ganz aus den Augen verlieren.

Zusatz: Hier noch ein interessantes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden von Fuchs Petrolub:  http://www.unternehmeredition.de/vetternwirtschaft-darf-keinen-platz-haben/

Quellen: Dow Jones Newswires, www.fuchs.com/gruppe, finanzen.net

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

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