CRISPR/CAS9 - die "Genschere" könnte die Welt verändern!

03.08.2017 | Artikel über Editas Medicine (US28106W1036) von MMeier

Zusammenfassung

  • Mit der CRISPR/CAS9-Technologie, genannt "Genschere", könnte die Welt revolutioniert werden
  • Editas Medicine gehört zu den absolut führenden Unternehmen in diesem Bereich
  • Ein Patentprozess gegen Intellia Therapeutics wurde in erster Instanz gewonnen

Einschätzung

Aktie kaufen als langfristige Idee

CRISPR/CAS9 - die "Genschere"

Nachdem ich zuletzt ja eine regelrechte "Abhandlung" über Baidu geschrieben habe, möchte ich mich heute etwas kürzer fassen. Vorab muss man jedoch wissen, dass ich keine medizinische Ausbildung habe. Zwar könnte ich euch die CRISPR/CAS9-Technologie durchaus erklären, es geht aber einfacher mit diesem Video (wenn auch leider in englisch): https://www.youtube.com/watch?v=ouXrsr7U8WI

Um es aber auch in einigen kurzen Worten zu erläutern: Die CRISPR/CAS9-Technologie wird auch "Genschere" genannt. Das hat seinen guten Grund. Denn mit Hilfe dieser Technologie lässt sich das menschliche Erbgut, die Gene, verändern. So werden bspw. kranke Gene einfach weg geschnitten. Anwendung fand diese Technologie z.B. hier, weshalb sie gerade heute in aller Munde ist: http://www.focus.de/wissen/videos/methode-crispr-cas9-forscher-reparieren-gendefekt-an-menschlichen-embryonen_id_7427335.html

 

Führende Unternehmen

Zu den führenden Unternehmen dieser Branche, die generell im Bereich Biotech angesiedelt ist, gehören unter anderem (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

bluebird bio,
CRISPR Therapeutics (Schweiz),
Editas Medicine,
Intellia Therapeutics und
JUNO Therapeutics.

Bei JUNO Therapeutics ist bspw. Amazon.com Gründer Jeff Bezos als Investor mit an Bord (siehe: https://www.geekwire.com/2014/bezos-juno/). Aber auch Editas Medicine kann mit berühmten Aktionären punkten, nämlich Bill Gates (ja, der Microsoft Gründer und reichste Mensch der Welt) sowie Google Ventures (der Venture Capital-Arm von Alphabet (Google), siehe: http://fortune.com/2016/01/05/editas-ipo-crispr/). Ich betrachte Editas Medicine daher als die Nummer 1 der Branche, um diese Aktie soll es hier also gehen.

 


Denn im Gerichtsprozess konnte Editas Medicine den Konkurrenten Intellia Therapeutics besiegen

Kürzlich stritten sich zwei dieser Unternehmen, nämlich Editas Medicine und Intellia Therapeutics, vor Gericht. Hintergrund waren Patentstreitigkeiten in Sachen CRISPR/CAS9. In der ersten Instanz entschied das Gericht zugunsten von Editas Medicine, was der Aktie kurzfristig zu einem kleinen Höhenflug verhalf.

 

Aber Zweifel an der Technologie ließen die Aktie kurzfristig wieder einbrechen!

Doch dieser war schnell wieder vorbei. Denn in einem wichtigen Branchenmagazin wurden Zweifel an der Technologie laut. Dabei ging es weniger darum, dass sie nicht funktionieren würde. Aber es wurde berichtet, dass es bei deren Einsatz zu gravierenden Nebenwirkungen kommen könnte. Denn aufgrund der Eingriffe in das menschliche Erbgut könnte es zu Mutationen kommen. Diese Gefahr müsse Ernst genommen und untersucht werden.

Diese Gefahren werden im Westen (USA, in Deutschland, dem Land der Bedenkenträger, wahrscheinlich ganz besonders) auch sicherlich thematisiert und erforscht. In China und anderen Ländern jedoch wird einfach mal gemacht. Daher wird es auf jeden Fall zur Weiterentwicklung dieser Technologie kommen.

 

Fundamentale Bewertung und Geschäftszahlen sind noch völlig irrelevant

Normalerweise müsste ich nun einen Blick auf die Entwicklung der Geschäftszahlen sowie die fundamentale Bewertung der Aktie werfen. Dies ist jedoch bei einem forschenden Biotechunternehmen irrelevant. Es gibt kaum Umsätze, hohe Verluste (Forschung ist eben teuer) und daher natürlich auch kein KGV. Worauf Investoren daher achten müssen, sind in erster Linie zwei Dinge:

1.) Wieviel Cash hat das Unternehmen noch, wie hoch sind die Forschungsausgaben und ist das Unternehmen möglichst langfristig durchfinanziert?

2.) Ist das Vertrauen in das Unternehmen groß genug und demzufolge der Aktienkurs hoch genug, um ggf. frisches Geld über eine Kapitalerhöhung einzusammeln?

3.) Gibt es wichtige Fortschritte in der Entwicklungsarbeit?

 

Zu 1.) ist zu schreiben, dass das Unternehmen aktuell ca. 186 Mio. US-Dollar in der Kasse hat (Cash/Cash Äquivalent). Demgegenüber stehen Schulden in Höhe von ca. 45 Mio. US-Dollar, ca. 35 Mio. US-Dollar davon langfristig. Die Cashposition ist, auch netto, deutlich positiv. Zuletzt verbrannte das Unternehmen ca. 30 Mio. US-Dollar je Quartal, wobei die Tendenz deutlich rückläufig ist. Auf Basis der aktuellen Zahlen wäre Editas Medicine also noch für sechs Quartale (1 1/2 Jahre) durchfinanziert, tatsächlich dürften es eher 7-8 Quartale und damit bis zu 2 Jahre sein.

Zu 2.) Der Aktienkurs liegt derzeit über 17 US-Dollar. Im Hoch lag er zwar schon mal bei über 42 US-Dollar, allerdings liegt er damit immer noch gut +9% über dem einstigen IPO-Preis von 16 US-Dollar. Vertrauen ist also durchaus vorhanden, was angesichts von Investoren wie Gates und Google Ventures auch nicht sonderlich verwundern kann. Somit ist eine Kapitalerhöhung wohl kein Problem, im Zweifel würden Gates und Google Ventures diese wohl mittragen und somit stemmen.

Zu 3.) ist zu schreiben, dass man das aktuell noch nicht wirklich beurteilen kann. Zumindest das erstinstanzliche Urteil im Verfahren gegen Intellia deutet aber daraufhin, dass man bei Editas Medicine auf einem guten Weg ist.

 

Fazit

Alles in allem ist eine Investition in Editas Medicine ein hochriskantes Investment. Setzt sich das Unternehmen in seiner Branche durch, so wie es Amazon.com im eCommerce gelang, hat man hier einen potenziellen Vervielfacher im Depot. Selbst Kursziele von 100 oder 150 US-Dollar wären dann langfristig (auf Sicht einiger Jahre!) drin. Es besteht aber genauso gut die Möglichkeit des totalen Scheiterns. Dann würde Editas Medicine auf den Spuren von eToys oder Commerce One (beide längst pleite) wandeln.

Zwar bieten die Star-Investoren wie Gates und Google Ventures eine gewisse Sicherheit, unendlich viel Geld werden diese jedoch hier auch nicht investieren. Wer das nicht glauben mag kann sich ja mal ansehen was mit einigen von Dietmar Hopp (SAP-Gründer) finanzierten Biotechs passiert ist (was NICHT gegen Herrn Hopp gerichtet ist, das sind halt riskante Investitionen).

Zu Kursen knapp über dem IPO-Preis von 16 US-Dollar kann man m.E. eine Investition wagen. Dabei sollte man jedoch nurn Spielgeld investieren, also Geld, das man im Zweifel auch komplett abschreiben kann. Denn ein Stoppkurs, selbst wenn man ihn setzt, nützt bei einer solchen Aktie unter Umstände wenig bis gar nichts. Das erste Kursziel sehe ich hier im Bereich 25 US-Dollar, on the longer rund halte ich aber auch noch Kurse im Bereich des alten Hochs bei 42 US-Dollar für möglich. Aber bei einem Totalverlust darf man mir nicht den Kopf abreißen. Denn er ist möglich und darauf habe ich auch mehr als deutlich hingewiesen!!

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.